Die Epigenetik verändert sich



Die Darwinsche Theorie hat gesiegt, weil logisch schlüssig. Es gab eine Veränderung (Mutation) und deren Bewertung (Selektion). Die Komponente Bewertung fehlte bei Lamarck. Lamarck war unterlegen.
Da passte die Weismann-Barriere bestens: erworbene Eigenschaften sind nicht vererbbar. Weismann hat voreilig formuliert. Da Wissen um DNA war wenig. Also hat Weismann voreilig, wissenschaftlich schwach, postuliert. Aber es passte - bis heute.

Aber immer mehr wird deutlich, nicht nur die RNA, auch die DNA wird verändert, z.B. Sind Instinkte erlernt?

Aber wer kann Veränderungen im Organismus bei LamarcksTheorie bewerten? Antwort: Die Effizienzbewertung durch die vielen Astrozyten. Die Astrozyten ernähren die mehrere Neurone, um deren Effektivität zu messen und das Tun der Neuronen zu verändern. Jetzt ist auch Lamarcks These logisch schlüssig. Die fehlende logische Komponente gibt es!

aus Gehirn-info

25.000 bis 30.000 Gene besitzt das menschliche Genom, und drei Viertel davon werden im Gehirn auch genutzt. 1437 dieser Erbinformationen wurden gemäß einer Untersuchung im Gehirn häufiger abgelesen und in die entsprechenden Eiweiße übersetzt, als in anderen Organen des Körpers. Die Evolution von „Hirngenen“ erklärt die Besonderheiten des Homo sapiens offenbar besser als Veränderungen in anderen Organen.

Doch die klassische Genetik, die glaubte, alle Veränderungen allein durch Mutation und Selektion erklären zu können, hat Konkurrenz bekommen: Die Epigenetik. Dieses Fachgebiet fragt nach den Veränderungen der Genaktivität im Verlaufe der Zeit, die nicht auf Mutationen beruhen, und es liefert mittlerweile zahlreiche Beispiele dafür, wie solche genetischen Grundeinstellungen an die nächste Generation weitergereicht werden können.

Nervenzellen reagieren beispielsweise auf Veränderungen in ihrer Umgebung auch mit veränderter Genexpression. Stress, Sucht, Lernen und Krankheit – all dies verursacht vermutlich Änderungen in der neuronalen Genaktivität und zwar über Mechanismen, die den Zugriff auf die Gene verändern, nicht aber die DNA-Sequenz. Eine Weitergabe erworbener Eigenschaften ist damit möglich.

So konnten Catherine Peña von der Ican School of Medicine in Mount Sinai, New York, und ihre Kollegen zeigen, dass junge Mäuse, die durch Trennung von ihren Müttern gestresst wurden, im Erwachsenenalter anfälliger für externen Stress wurden und häufiger depressiv. Verantwortlich dafür war eine veränderte Nutzung des Gens Otx2, das wiederum Gene steuert, die in die Entwicklung des Sensoriums und des Mittel- und Vorderhirns eingebunden sind.

Dass männliche Ratten, die besonders leicht kokainabhängig werden, diese Eigenschaft an ihre Kinder und ihre Enkel vererben, ist ebenfalls auf epigenetische Schalter zurückzuführen, die an und neben den Genen beteiligter Zellen sitzen und bestimmen, wie gut die Zellen ihre Gene aktivieren können.

Auf die manchmal bizarren Effekte der sexuellen Auslese hat bereits Darwin hingewiesen. Hier wirkt die Selektion auf meist körperliche Merkmale, die vom Paarungspartner bevorzugt werden. So entstanden etwa gewaltige Geweihe bei Hirschen oder die überlangen Schmuckfedern der Paradiesvögel, die dem Prinzip des "survival of the fittest" offensichtlich widersprechen.

Er unterschied die männliche Zuchtwahl von der weiblichen Partnerwahl ("male-male competition" und "female choice"). Female choice besagt, dass in erster Linie die Weibchen die Männchen nach deren Qualitäten auswählen. Männchen, die Eigenschaften besitzen, die von den Weibchen als attraktiv erachtet und deshalb gewählt werden, haben somit einen höheren Partnerwahl- und Fortpflanzungserfolg.

Die Evolution geht opportunistisch vor: Das Vorhandene wird unter den jeweiligen Umständen nach Zufall oder Notwendigkeit umgebaut, doch es bewegt sich auf kein Ziel zu. Auch der Mensch ist nicht Ziel der Evolution, sondern deren Gegenstand.


Januar 2018