Die andere Gliederung - The other structuring
Eine Maschine lässt sich verschieden gliedern. Die räumliche Gliederung hilft zur Orientierung (oben, unten, vorn, hinten, [1],[2]). Die strukturelle Gliederung unterscheidet baulich, z.B. die Schrauben, die Blechteile, die Dichtungen, die Schläuche. Die Stückliste gehört zur strukturellen Gliederung. Dagegen hilft die funktionelle Gliederung zum Verstehen der Maschine. Die funktionelle Gliederung bündelt jene Teile, welche gemeinsam eine Funktion erfüllen. Der eine funktionelle Teil erfüllt die Funktion 1, der andere die Funktion 2 usw. Wird die Funktion 1 benötigt, so wird der funktionelle Teil 1 aktiv usw. Dies ergibt beim Auto den Motor, die Blinker, die Scheibenwaschanlage, die Sitze usw. Bei funktioneller Gliederung kann ein funktionelles Teil aus verschiedenen strukturellen Teilen bestehen. So besteht der Motor aus Schrauben, Gussteilen, Bolzen usw. Aber Schrauben, also strukturelle Teile, gibt es auch am Blinker, an den Sitzen usw.
Die funktionelle Gliederung in Erregungsketten läßt sich vergleichen mit dem Kabelbaum eines Autos. Eine Ader kommt vom Tank und signalisiert die Menge an Benzin. Andere Adern führen Strom zur Beleuchtung usw. An manchen Stellen ist der Kabelbaum dick. Der Kabelbaum ist Teil vieler Funktionen. Das Kabel vom Tank durchläuft dem Kabelbaum, nutzt diesem nicht als Ganzes, sondern eben nur die eine Ader und diese endet bei der Anzeige im Cockpit. Genauso durchläuft eine Erregung das Gehirn auf ganz speziellen Wegen hin zum Erfolgsorgan.
Fazit: Funktion und Struktur gliedern unterschiedlich. Bei korrekter funktioneller Gliederung wird eine Funktion durch ein funktionelles Teil realisiert. Müssen mehrere funktionelle Teile die eine Funktion erfüllen, so wurde funktionell mangelhaft gegliedert. Beim Auto sind der Unterschiede zwischen strukturell und funktioneller Gliederung klar. Der funktionelle Bauplan des Autos war und ist bekannt.
Wie ist dies beim Gehirn? Die heute übliche funktionelle Gliederung ist z.B. bei Wikipedia beschrieben. Bei dieser Gliederung wird jedoch eine Funktion, z.B. das Greifen eines Apfels, von mehreren funktionellen Teilen erfüllt. D.h. die obige Forderung zur korrekten Gliederung ist nicht erfüllt. "Irgendwie ist das Funktionieren im Zusammenwirken aller Teile verborgen." formuliert ein bekannter Anatomielehrer. Also stimmt etwas nicht bei der heute üblichen funktionellen Gliederung [1], [2], [3], die angeblich funktionelle Gliederung des Kleinhirns! Da werden strukturelle Areale als funktionelles Teil bezeichnet und gleichzeitig bemerkt, die Funktion wird durch mehrere Areale realisiert.
Wie aber korrekt das Gehirn funktionell gliedern? Die Beobachtung kann helfen. Immer werden bei Funktion ganz spezielle Erregungsleitungen aktiv. Schon das Erkennen eines Apfels zeigt sich wiederholt an ganz spezifischen Erregungsleitungen. Konsequenz: Diese Leitungen, diese speziellen Erregungsmuster bilden das funktionelle Teil! Die Leitungen benutzen jeweils nur Bruchteile der Retina, des Sehnervs und der Hirnzentren. Wie dies verstehen?.
Die heute übliche Gliederung:![]() Der gefundenen Struktur wird eine Funktion zugeordnet. |
Die neue, ungewohnte Gliederung:![]() Bei Funktion werden ganz spezielle Erregungsleitungen aktiv. |
Erst mit der neuen Gliederung gilt der obige Satz: "Eine Funktion wird durch ein funktionelles Teil realisiert." Streng nach Theorie und ganz spezifisch jene Substanz des Gehirns zum funktionellen Teil gebündelt, welche eine festgelegte Funktion erfüllt.
Die historisch begründete Befangenheit - The historical bias
Warum wird nicht so gegliedert? Antwort: Dies ist historisch bedingt.
Im Gegensatz zu einer Maschine gibt es keinen funktionellen Plan vorab. Aufwendig wurde und wird die Struktur erforscht. Viel ist inzwischen bekannt. Ausgehend von den bekannten Hirnteilen wird deren Funktion gedeutet. Dies ist logisch falsch. Es bleibt bei der strukturellen Gliederung, obwohl die funktionelle Gliederung interessiert. Eine Denkbarriere ist zu überwinden: Das Umdenken von struktureller zur funktionellen Gliederung. Was heute als funktionelle Gliederung bezeichnet wird, ist eine Mogelpackung, ist befangen in der wissenschaftlichen Tradition der Anatomieforschung.
Die Funktion des Gehirns wird über die strukturellen Teile erklärt. Wenn ein Lehrer die Funktion des Autos mittels Stückliste erklären würde, bliebe das Auto unverstanden und er müsste sagen: "Irgendwie ist das Funktionieren im Zusammenwirken aller Schrauben und Blechteile verborgen." Und eben genau dies passiert beim Gehirn. Wie schon erwähnt, bei funktioneller Gliederung sind die an der Funktion beteiligten Teile zu bündeln. Und immer werden ganz spezifische Erregungsleitungen bei Funktion aktiv. Diese sind ergeben das funktionelle Teil! Und die Leitungen sind ganz filigran. Schon ein Neuron kann mit seinen 20 000 anliegenden Synapsen an ebenso vielen Funktionen beteiligt sein.