1. Einleitung - ein Beispiel
Bauer1 hat fruchtbare Felder. Bauer2 dagegen große Weideflächen. Verständlich, das Bauer1 z.B. Kohl günstiger anbauen kann und Bauer2 z.B. für Ziegen weniger Zeit benötigt. So braucht Bauer1 10 Stunden pro 100 Kohl, Bauer2 dagegen 16 Stunden. Umgekehrt hat Bauer2 für eine Ziege eine Zeitaufwand von 80 Stunden, Bauer1 braucht 90 Stunden. Im Beispiel haben beide einen Bedarf von 1500 Kohl (= 15 Mengeneinheiten = 15 ME) und 8 Ziegen (8 ME). Dies wird in Tabellenform übersichtlicher.
| Matrix 1 | Aktion1 (Kohl) Bedarf m * Aufwand a |
Aktion2 (Ziegen) Bedarf m * Aufwand a |
Gesamtaufwand pro Bauer ohne Tausch |
| Bauer1 | m11 * a11 = 15 * 10 = 150 |
m12 * a12 = 8 * 90 = 720 |
m11 * a11+ m12 * a12 15 * 10 + 8 * 90 = 870 |
| Bauer2 | m21 * a21 = 15 * 16 = 240 |
m22 * a22 = 8 * 80 = 640 |
m21 * a21+ m22 * a12 15 * 16 + 8 * 80 = 880 |
Nun tauschen die beiden. Bauer1 produziert 26 ME Kohl (also 11 ME mehr,Tauschmenge Kohl x1 = 11) und nur noch 6 Ziegen (also 2 weniger, Tauschmenge Ziegen x2 = -2 ). Bauer2 dagegen nur noch 4 ME Kohl (also 11 ME weniger) und jetzt 10 Ziegen (also 2 mehr).
| Matrix 2 | Aktion1 (Kohl) Bedarf * Aufwand |
Aktion2 (Ziegen) Bedarf * Aufwand |
Gesamtaufwand pro Bauer mit Tausch |
| Bauer1 | (m11 + x1) * a11 = (15 + 11) * 10 = 260 |
(m12 + x2) * a12 = (8 -2) * 90 = 540 |
(m11 + x1) * a11 + (m12 + x2) * a12 300 + 540 = 800 |
| Bauer2 | (m21 - x1)* a21 = (15 - 11) * 16 = 64 |
(m22 - x2)* a22 = (8 + 2) * 80 = 800 |
(m21 - x1) * a21 + (m22 - x2) * a22 64 + 800 = 864 |
Beide Bauern haben durch den Tausch eine Zeiteinsparung ohne produktive Tätigkeit. Im obigen Beispiel hat Bauer1 eine Einsparung von 70 Stunden, Bauer2 spart 16 Stunden. Durch die Unterschiede im Aufwand lohnt der Tausch. Nicht berücksichigt ist der Aufwand beim Tausch (Transport, Verpackung, Koordinierung, Abgaben). Was ist maximal an Einsparung möglich? Dies wird folgend allgemeingültig analysiert.
2. Ansatz
Wenn zur Erhaltung des geordneten Systems mehrere Aktionen i=1 bis n nötig sind, so ergibt sich der Gesamtaufwand A aus der Summe der einzelnen Aktionen. ASystem = ∑i=1n mi*ai. Der Aufwand pro Aktion ergibt sich aus der Menge (= mi) * Aufwand pro Mengeneinheit (= ai).
Bei mehreren Systemen ist zu differenzieren: ASystem1 = ∑i=1n m1i*a1i und analog für das System2: ASystem2 = ∑ i=1n m2i*a2i usw. Dies lässt sich allgemeingültig in einer Matrix darstellen:
| Matrix 3 | Aktion1 | Aktion2 | ... | Aktionn | Gesamtaufwand pro System |
| System1 | m11 * a11 | m12 * a12 | ... | m1n * a1n | ∑ i=1n m1i * a1i |
| System2 | m21 * 21 | m22 * a22 | ... | m2n * a2n | ∑ i=1n m2i * a2i |
| ... | ... | ... | ... | ... | ... |
| Systemk | mk1 * ak1 | mk2 * ak2 | ... | mkn * akn | ∑ i=1n mki * aki |
| Gesamtbedarf pro Aktion | ∑ j=1k mj1 | ∑ j=1k mj2 | ... | ∑ j=1k mjn |
Die Matrix besteht aus n Aktionen und k Systemen. Der Gesamtaufwand ergibt sich aus der Summe der Aufwände der einzelnen Systeme, also ∑ j=1k (∑ i=1n mji * aji)
(2) Alle Aufwendungen aij sind für beliebiges i und j positiv, ansonsten wäre die jeweilige Aktion ein perpetuum mobile.
Die Mengen mji sind der Bedarf an der jeweiligen Aktionji. (3) Die untere Grenze ist Null (kein Eigenbedarf an dieser Aktion).
Tausch bedeutet, das ein System anteilig Mengen x für das andere System übernimmt. Die Summen sind zu erweitern um die Tauschmengen xji.
| Matrix 4 | Aktion1 | Aktion2 | ... | Aktionn | Gesamtaufwand pro System |
| System1 | (m11 + x11) * a11 | (m12 + x12) * a12 | ... | (m1n + x1n) * a1n | ∑ i=1n (m1i + x1i) * a1i |
| System2 | (m21 + x21) * 21 | (m22 + x22) * a22 | ... | (m2n + x2n) * a2n | ∑ i=1n (m2i + x2i) * a2i |
| ... | ... | ... | ... | ... | ... |
| Systemk | (mk1 + xk1)* ak1 | (mk2 + xk2)* ak2 | ... | (mkn + xkn)* akn | ∑ i=1n (mki + xki) * aki |
| Gesamtbedarf pro Aktion | ∑ j=1k (mj1 + xj1) | ∑ j=1k (mj2 + xj2) | ... | ∑ j=1k (mjn + xjn) |
Der Tausch verändert den Bedarf an sich nicht. Also gilt ∑ j=1k xji = 0 für beliebiges i von 1 bis n. Dies und der Bedarf begrenzt die Tauschmengen. Nach unten ist die Tauschmenge begrenzt durch den Eigenbedarf mji. Nach oben kann ein System maximal den Gesamtbedarf aller Systeme ∑ j=1k mji übernehmen (ansonsten wäre ∑ j=1k xji > 0). Also gilt für beliebiges j von 1 bis k und i von 1 bis n:
(4) - mji =< xji = < ∑ l=1j-1 mli + ∑ l=j+1k mli
Dieses mathematische Modell ist anwendbar bei Arbeitsteilung und Handel. Durch den Tausch ergibt sich ein Mehrwert ohne produktive Tätigkeit. Der Begriff System ist absichtlich unspezifiziert gewählt, lässt sich konkretisieren bei Produktionseinheiten, Handelspartner, Person, Firmen, Vielzellern u.a.
3. Berechnung
Bei der Reduktion auf 2 Systeme (k=2) und 2 Aktionen (n=2) werden die Gleichungen übersichtlicher (Zweiteilung). Die reduzierten Gleichungen vereinfachen das Verständnis.
Beim obigen Beispiel (Kohl und Ziegen, Matrix 1) ergibt die Zweiteilung folgende Tauschmengen (Fall 2 in der Übersicht, Punkt3 der Zweiteilung):
Bauer1 produziert für Bauer2 zusätzlich Kohl in der Menge m21 = 15
Bauer2 gibt dafür den Bauern1 Ziegen in der Menge = m21 * a21 / a22 = 15 * 16 / 80 = 3.
| Matrix 5 | Aktion1 (Kohl) Bedarf * Aufwand |
Aktion2 (Ziegen) Bedarf * Aufwand |
Gesamtaufwand pro Bauer mit Tausch |
| Bauer1 | (m11 + x1) * a11 = (15 + 15) * 10 = 300 |
(m12 + x2) * a12 = (8 - 3) * 90 = 450 |
(m11 + x1) * a11 + (m12 + x2) * a12 300 + 450 = 750 |
| Bauer2 | m21 * a21 = (15 - 15) * 15 = 0 |
m22 * a22 = (8 + 3) * 80 = 880 |
m21 * a21+ m22 * a12 0 + 880 = 880 |
Der Bauer2 hat bei diesen Tauschmengen keinen Nutzen. Dies liegt nicht an den konkreten Beispielzahlen. Es ist immer so, wenn der Aufwand über beide minimisiert wird. Jede andere Tauschmenge bringt in der Summe weniger. Bei Matrix 2 ergab sich ein Aufwand von 800 + 864 = 1664. Bei Matrix 5 ergibt die Summe 750 + 880 = 1630. Mehr Einsparung ist nicht möglich! Bei maximaler Einsparung über beide Systeme hat ein System davon nichts, das andere alles. Dies ist ein enorm wichtiges Resultat! Trotz Optimum bleibt der Zustand instabil.
Folgend aber allgemein weiter (beliebige Anzahl an Aktionen = k und Systemen = n). Der Tausch ergibt pro Aktionj und Systemi eine Aufwandsdifferenz
(5) ADifferenzji = AGesamtji - AGesamtji mit Tausch = mji * aji - (mji + xji) * aji = - xji * aji
Dies ergibt in der Übersicht:| Matrix 6 | Differenz Aktion1 | Differenz Aktion2 | ... | Differenz Aktionn | Gesamtdifferenz pro System |
| System1 | - x11 * a11 | - x12 * a12 | ... | - x1n * a1n | ∑ i=1n - x1i * a1i |
| System2 | - x21 * a21 | - x22 * a22 | ... | - x2n * a2n | ∑ i=1n - x2i * a2i |
| ... | ... | ... | ... | ... | ... |
| Systemk | - xk1 * ak1 | - xk2 * ak2 | ... | - xkn * akn | ∑ i=1n - xki * akn |
Ein Tausch mit der Menge x bei Aktioni zwischen dem Systemj und dem Systeml ergibt
(6) AufwandGesamtdifferenz = Aufwandohne Tausch - Aufwandmit Tausch = mji * aji + mli * ali - (mji + x) * aji - (mli - x) * ali = x * (aji - ali).
Also ist bei diesem Tausch eine maximale Einsparung erreichbar
(7) Unter allen Systemen ist bei Aktioni ein Systemj auswählbar mit aji =< ali für beliebiges l = 1 bis m. Dieses Systemj kann also die Aktioni mit weniger (oder gleich viel) Aufwand als die anderen Systeme erfüllen. Beim Tausch gilt dann Fall 2 oder Fall 3, das Systemj übernimmt den Bedarf aller anderen Systeme bei Aktioni.
(8) AGesamtdifferenz bei Aktioni = AAktioni ohne Tausch - AAktioni mit Tausch = ∑ l=1k mli * ali - (∑ l=1k mli) * aji = ∑ l=1k mli * (ali - aji)
Dies ist die maximal erzielbare Einsparung.
Hinweis: Bei dieser Aufstellung wird auch bei identischen Aufwand getauscht, obwohl dies keine Einsparung bringt (Fall 3). Diese Fälle sind also abziehbar. An der Einsparungssumme ändert dies nichts. Nur die Formel wird aufwendiger (Summe über Systeme mit ali < aji).
Summiert über alle Systeme gilt dann:
(9) Amaximale Einsparung Gesamt = ∑ i=1n (∑ l=1k mli * (ali - ajii)), dabei ist ji jeweils die Aktionj pro Systemi, welche den geringsten Aufwand hat.
4. Ausgleich
Bei der maximalen Einsparung bleibt die Bilanz für die Systeme ∑ i=1n - xji * aji für beliebiges j = 1 bis k unberücksichtigt (Formel aus letzter Spalte der Matrix 6). Wenn ein System viele Aktionen günstiger erfüllen kann, wird die Bilanz für dieses System negativ. Das System hat von der Teilung Nachteile. Also werden folgend die Tauschmengen durch die zusätzliche Bedingung ∑ i=1n - xji * aji >= 0 für beliebiges j = 1 bis k eingeschränkt. Jedes System hat dann von der Teilung zumindest keinen Nachteil in der Bilanz. Die maximal erzielbare Einsparung kann mit dieser zusätzlichen Bedingung nur im Idealfall erreicht werden.
Gesucht ist das Maxminum der Summe ∑ i=1n (∑ l=1k xli * ali) in Abhängigkeit der Werte xli mit den Randbedingungen
Bei xli = 0 (Ausgangssituation - kein Tausch) sind die Randbedingungen erfüllt. Aber die Summe ∑ i=1n (∑ l=1k xli * ali) = 0.
Bedarfsmengen = Aktivität ohne Tausch
| Matrix 7 | Bedarf Aktion1 | Bedarf Aktion2 | ... | Bedarf Aktionn |
| System1 | m11 | m12 | ... | m1n |
| System2 | m21 | m22 | ... | m2n |
| ... | ... | ... | ... | ... |
| Systemk | mk1 | mk2 | ... | mkn |
Aufwand pro Aktion und System
| Matrix 8 | Aufwand Aktion1 | Aufwand Aktion2 | ... | Aufwand Aktionn |
| System1 | a11 | a12 | ... | a1n |
| System2 | a21 | a22 | ... | a2n |
| ... | ... | ... | ... | ... |
| Systemk | ak1 | ak2 | ... | akn |
Aktivität nach dem Tausch
| Matrix 9 | Aktivität Aktion1 | Aktivität Aktion2 | ... | Aktivität Aktionn |
| System1 | m11 + x11 = y11 | m12 + x12 = y12 | ... | m1n - x1n = y1n |
| System2 | m21 + x21 = y21 | m22 + x22 = y22 | ... | m2n + x2n = y2n |
| ... | ... | ... | ... | ... |
| Systemk | mk1 + xk1 = yk1 | mk2 + xk2 = yk2 | ... | mkn + xkn = ykn |
(7)
Unter allen Systemen ist bei Aktioni ein Systemj auswählbar mit aji =< ali für beliebiges l = 1 bis m. Dieses Systemj kann also die Aktioni mit weniger (oder gleich viel) Aufwand als die anderen Systeme erfüllen. Beim Tausch gilt dann Fall 2 oder Fall 3, das Systemj übernimmt den Bedarf aller anderen Systeme bei Aktioni.
Also gilt für diese Aktion
(7) Unter allen Systemen ist bei Aktioni ein Systemj auswählbar mit aji =< ali für beliebiges l = 1 bis m. Dieses Systemj kann also die Aktioni mit weniger (oder gleich viel) Aufwand als die anderen Systeme erfüllen. Beim Tausch gilt dann Fall 2 oder Fall 3, das Systemj übernimmt den Bedarf aller anderen Systeme bei Aktioni.
(8) AGesamtdifferenz bei Aktioni = AAktioni ohne Tausch - AAktioni mit Tausch = ∑ l=1k mli * ali - (∑ l=1k mli) * aji = ∑ l=1k mli * (ali - aji)
Vergleiche nach dem Tausch
| Matrix 10 | Aufwand Aktion1 | Aufwand Aktion2 | ... | Aufwand Aktionn | Aufwand pro Systemn |
| System1 | (m11 + x11) * a11 | (m12 + x12) * a12 | ... | (m1n - x1n) * a1n | ∑ i=1n (m1i - x1i) * a1i |
| System2 | (m21 + x21) * a21 | (m22 + x22) * a22 | ... | (m2n + x2n) * a2n | ∑ i=1n (m2i - x2i) * a2i |
| ... | ... | ... | ... | ... | ... |
| Systemk | mk1 + xk1 = yk1 | mk2 + xk2 = yk2 | ... | mkn + xkn = ykn | ∑ i=1n (mki - xki) * aki |
| Summe Aktivität/Gesamtaufwand | ∑ j=1k mj1 + xj1 | ∑ j=1k mj2 + xj2 | ... | ∑ j=1kmjn + xjn | ∑ i=1n ∑ j=1k(mji + xji) * aji |
Die Aufwands-Tabelle bestimmt, wie getauscht wird. Der Bedarf bestimmt, wieviel getauscht wird.
***************** weiter in überarbeitung *****************
2. Einsparung struktureller Anteile
Wenn sich der Aufwand pro Aktioni darstellen lässt in der Form
Ai = mi * ai+ bi (mi = Menge an benötigter Funktion, bi = konstanter Aufwand, um überhaupt die Aktion realisieren zu können, ai = Aufwand pro Menge mi).
dann folgt:
Bei mehreren (Teil)Aktionen (i= 1 ... n) ergibt sich:
Diesen Aufwand hat jedes System für sich. Tausch bedeutet, das irgendeine Aktion (hier j) durch ein anderes System übernommen wird. Das entlastete System hat jetzt den Aufwand:
Dagegen hat das belastete System einen Mehraufwand
In der Bilanz über beide Systeme ergibt dies eine Einsparung:
Tausch verringert somit den energetischen Aufwand um strukturellen Anteile.
Dazu ein Beispiel aus der Wirtschaft:
Die Herstellung eines gehobelten Brettes kostet 2 € an Material und 3 € an Arbeitszeit (a=5) und 100 € für die Maschinen (40 € Säge, 60 € Hobelmaschine). Also kosten 10 Bretter (x=10)
Zwei benachbarte, gleich strukturierte Firmen haben jeweils diese Herstellungskosten, also jeweils 150 € *2= 300 €. Nach Tausch sägt die eine Firma und die andere hobelt. Der Aufwand errechnet sich nun:
Also kosten jetzt 10 Bretter nur noch 100 €.