Diese Betrachtung kehrt um:
Nach bisheriger Vorstellung analysieren funktionelle Areale die Erregungen und geben diese gezielt an andere Areale weiter. Jetzt aber formen die Erregungsketten (deren Benutzung und Erfolg) die strukturellen Areale. Diese filigrane Substanz realisiert Funktion. Die spezielen Erregungleitungen sind die funktionellen Teile. Die Areale dagegen sind strukturelle Teile.
Die Erregung fließt auf vorgeprägten Bahnen einfach quer durch vom Rezeptor zum Erfolgsorgan. So erreicht in Millisekunden eine Erregung ihr Ziel (z.B. das Wegziehen der Hand vom heißen Gegenstand). Bei analytischer Arbeit der Areale würde sich der Informationsfluss verzögern. Die Erregung wird nicht analysiert. Es gibt nichts, was an einer einzelnen Erregung zu zerlegen wäre. Die Erregung rennt durch, andere zeitgleiche Erregungsleitungen verstärken, andere hemmen. Bei gleicher Reizsituation verläuft die Erregung wiederholt auf identischen Bahnen. Arealgrenzen sind der Erregung unwichtig. Veränderung in der Erregungsleitung ergeben sich aus Ermüdung und Mißerfolg (z.B. einen faulen Apfel auszuwählen).
Wer determiniert? Ein Vergleich:
Das Wasser in einem Fluss wird durch das Flussbett gelenkt. Also bestimmt das Bett den Verlauf. Aber das Flussbett wurde durch das Wasser geformt. Also ist das Wasser der Bestimmende. Aber das Wasser sucht den günstigsten Weg nach unten. Also dominiert ein Naturgesetz den Verlauf. Das Flussbett verläuft so, weil es sich immer wieder bewährt. Gibt es allerdings einen schnelleren Weg, wird der Verlauf geändert.
Ein Hilfsmittel zum Verstehen: Das Bahnmodell
Ein Zug fährt von Rostock nach München. Der Zug beansprucht nur ein Gleis des Rostocker Bahnhofs, nicht den ganzen Bahnhof. Die Weichen sind vorab eingestellt. Der Zug fährt einfach los und wird durch alle Weichen (verteilt auf der ganzen Strecke) wie von Geisterhand zum Ziel gelenkt.
Bisher erfüllen Gliazellen Hilfsaufgaben für die verketteten Neuronen. Areale bestehen aus vernetzten Neuronen und Gliazellen. Jetzt aber ergibt sich ein anderes Bild: Die Funktion wird akut alleinig durch verkettete Neuronen erfüllt. Die Erregung springt von Neuron zu Neuron. Auf dem Weg hemmen andere Ketten. Wiederum andere verstärken oder verlaufen parallel. Die Schwannschen Zellen begleiten diese Ketten der über Synapsen verbundenen Neuronen, die Astrozyten wirken zwischen den Erregungsleitungen.
Gehirntraining verbessert ganz spezifisch die Leistung. Nicht Areale werden trainiert, sondern die an der Erregungleitung beteiligten Neuronen. Training wirkt ganz spezifisch.
Struktur und Funktion
Allgemein gilt: Eine Funktion muss sich für das Gesamtsystem Organismus bewähren. Die Funktion ist bewertbar. Anatomische Strukturen dagegen nicht.
Widerspruch bei bisheriger Betrachtung:
Areale werden als funktionelle Teile bezeichnet [2] und im gleichen Denken wird bemerkt, dies doch nicht so ernst [3] zu nehmen.
An sich ist diese Gliederung in Erregungsleitungen nur eine andere. Erst mögliche Folgerungen zeigen, ob dieser Denkansatz nützt. Eine der Folgerungen ist die Gliathese.